Tim van den Oudenhoven

Safe_Light

29.10.2021 – 27.11.2021

Der Titel der Serie SAFE_LIGHT ist eine Anspielung auf ein fundamentales Hilfsmittel des Fotografen. Ein Safe Light ist nämlich nichts anderes als die rote Lampe, die in jeder Dunkelkammer essentiell ist, da sie den Raum für den Fotografen ausleuchtet, ohne aber dabei das lichtempfindliche Material zu beschädigen.
Das Rot-Licht der Dunkelkammer hat sich aber nicht nur im Titel der Serie eingeschrieben, sondern durchtränkt auch deren Ästhetik. Indem Tim van den Oudenhoven die Atmosphäre in der Dunkelkammer betont, hebt er die ungemeine Bedeutung hervor, die der traditionelle handwerkliche Prozess für ihn als Fotograf einnimmt. Mit dem Thema Licht geht es dem Künstler allgemein um eine vielschichte Beleuchtung des Mediums „Fotografie“. In vielen seiner Werke hinterfragt er die Position der Fotografie. Einst galt ein Foto als glaubwürdige und objektive Dokumentation der Realität. Seit dem „embedded journalism“ ist dieses  Bild zerbrochen und das digitale Zeitalter setzt dem noch eins drauf: Mit den Bearbeitungmöglichkeiten am Computer ist der Wahrheitsanspruch von Bildern brüchig geworden. Tim von den Oudenhoven behandelt die Fotografie demnach auch nicht als Abbild von Welt, sondern als eine Reflexion. Es geht darum, die Wirklichkeit zu durchdringen, um zu einer Erkenntnis von Welt zu kommen.
Von Picasso stammt das tiefsinnige Zitat: „Kunst ist die Lüge, die uns die Wahrheit zeigt.“ Das trifft auch auf SAFE_LIGHT zu: Vordergründig spiegeln die einzelnen Bilder den nächtlichen Spaziergang eines Flaneurs wider. Um 9.30 pm verlässt er sein zu Hause, um durch die Nacht zu streifen.  Die Fotos, die er da macht, halten seine Beobachtungen und Seheindrücke fest: Schaufenster, verlassene Parks, einsame Gassen und beleuchtete Fenster, die eine menschliche Anwesenheit erahnen lassen. In Wirklichkeit wurden die SAFE-LIGHT Serie von Tim van den Oudenhoven nicht in einer Nacht, sondern über die Jahre hinweg in unterschiedlichen europäischen Metropolen aufgenommen. Er schafft mit SAFE_LIGHT eine konstruierte Realität. So wie Picasso sagte, „lügen“ die Bilder, um auf eine tiefere Wahrheit zu verweisen. Sie wollen das Wesen von Wirklichkeit verdeutlichen. Blicken wir genauer hin: Allen Bildern ist das Moment der Stille gemeinsam. Sie ist ein wiederkehrendes Element bei Tim van den Ouvenhoven. Seine Welt ist meist menschenleer – keine Bewegung, keine Dynamik und keine Vitalität.
SAFE_LIGHT ein kritischer Kommentar zu den existenziellen Problemen unserer Zeit. Das diffuse rote Licht führt uns eine – unsere – Welt vor Augen, die an Kraft verliert. Desolate Strukturen, Verlassenheit, Isolation und Distanz bestimmen zunehmend die Lebensrealität des modernen Menschen. Gefühle von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit haben sich im Menschen eingeschrieben.
Es sind keine Bilder, die uns mit der Welt versöhnen möchten. Träume, Wünsche, Hoffnungen stehen einem nihilistischen Egoismus gegenüber, dem alles gleichgültig erscheint, was nicht im ökonomischen Sinne von Nutzen ist. Stetig, aber mit einer unerbitterlichen Hartnäckigkeit verbraucht der Mensch sich selbst und seine Welt, so dass der Zustand der Entropie peu a peu zur Normalität wird. Wie sagte Max Planck einst so treffllich: „Entropie ist etwas, was man nicht versteht, aber man gewöhnt sich daran“.
Sollte man nicht!

Tim van den Oudenhoven
Ohne Titel (Zeitstempel: 4:14)
Pigmentdruck auf Baryta Satin Fineartpapier
90 x 135 cm, in Holzrahmen mit Museumsglas

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