Valio Tchenkov

Cream dream

04.03.2022 – 04.06.2022

Der Ausstellungstitel CREAM DREAM verspricht Wohlgefühl und traumhaften Kunstgenuss. Valio Tchenkov fällt es allerdings im süßesten Sahnetraum nicht ein, in seinen Gemälden seichte, malerische Unterhaltungsakrobatik zu liefern. Stattdessen trifft man auf Manifestationen eines messerscharfen Verstands und zugleich selbstzweifelnden Geistes. Geschult durch Lebenserfahrung in sozialistischen und kapitalistischen Systemen, spricht Valio Tchenkov (*1966, Svistov, Bulgarien), der seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, mit ironischer Distanz immer über menschliche Beweggründe und Abgründe. Er spielt assoziativ in jedweder Form von Bild und Zeichen mit Sprache und Kontextverschiebungen. Den Betrachter animiert Tchenkov zu eigenständigem Denken und Flanieren durch seine Gemälde. Unverzagtem Forschergeist bietet er grenzenlosen interpretatorischen Freiraum mit feinen Spuren zur schutzlosen Innenwelt und unbeantworteten Fragen. Zuweilen trifft man auf Wegbegleiter in Form von Zitaten aus Gemälden von Valio Tchenkovs Helden der Kunstgeschichte wie etwa Goya und Holbein – als Hommage oder verdichtet zu realen Objekten; durchaus als Ausdruck ehrfürchtiger Kapitulation vor dem Können der alten Meister. Nach Holbein mit den Mitteln der Malerei Stoffe und Pelz wiedergeben? – Dann lieber gleich ein Kunstfell auf die Leinwand setzen! Man begegnet in seinem Werk etwa auf Auto-Kotflügeln flapsigen Kommentaren und Assoziationen in Schriftform, Graphic-Novel-Elementen, Ein-Satz-Geschichten als Kondensat von Gedanken, die sich scheinbar verlaufen haben, doch im Moment des Lesens mit Witz und Gelassenheit abrupt und präzise die Richtung ändern, um etwa Kunstmarktnormen und Kommerzkultur zu entwaffnen.
„In so harten Zeiten wie heute braucht man etwas Wohltuendes. Ich erzähle nicht abstrakt, sondern ganz konkret in meinen Bildern von innen und aus dem Schutzraum meines Ateliers, was draußen los ist. Die Realitäten scheinen gerade ja nicht besonders angenehm zu sein. Es ist wohl etwas „Wellness“ für den Pinsel nötig und eine Oberfläche als Tanzfläche. Mal sehen, was die Musik vorgibt. Ein Bild ist ja wie ein offenes Buch, Du kannst vieles am Pinselduktus lesen, ob er sich wohlfühlt, wenn er sich geschmeidig im Farbfluss über die Leinwand bewegt. Bei Frans Hals, zum Beispiel, fühlt er sich pudelwohl.“ (Valio Tchenkov)
Valio Tchenkov studierte sowohl an der Kunstakademie in Sofia als auch an der Kunstakademie in München. Seine Arbeiten waren und sind international in Ausstellungen zu sehen, kuratiert u.a. von Jan Hoet (Watou Belgien), Agnes Kohlmeyer (Pescara, Italien), Katerina Gregos (Biennale Riga, Lettland) und Katja Angelova (Paris, Frankreich).
Das abgebildete Gemälde Der Drang ist im Rahmen der Kooperation der Pinakothek der Moderne mit dem Residenztheater München Titelmotiv von Plakat und Programmheft zum gleichnamigen Theaterstück von Franz Xaver Kroetz.

Valio Tchenkov
Der Drang, 2021
Öl auf Leinwand, Fell,
70 x 60 cm

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