Stewart Hall

Ein Obstacle in der schematischen Logik (Formen der Natur)

15.03.2022 – 26.03.2022

Die aktuelle Gemäldeserie von Stewart Hall ist eine Neuinterpretation verschiedener Werke aus der Barockzeit. In der Barockzeit wurden alle großen Themen des Lebens erforscht, vor allem während der Auflösung der Religion in Nordeuropa, als man sich mit nicht-religiösen oder weltlichen Themen beschäftigte. Hall wurde von einer Vielzahl von Quellen beeinflusst, wie zum Beispiel von Jusepe de Ribera, Ernst Haeckel, den flämischen Meistern des Stilllebens, Peter Greenaways barockem Film: The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover und Francis Bacon.
Der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel bezeichnete die Verwendung unterschiedlicher künstlerischer Ansätze als „dialektische Prinzipien“. Der Historiker Heinrich Wölfflin führte auf der Grundlage von Hegels Theorie den Begriff der zwei Arten der Malerei ein: die eine ist linear, die andere malerisch. Die beiden Ansätze werden oft verwendet, um die stilistischen Unterschiede zwischen der „klassischen“ Renaissancekunst und ihrer Nachfolgerin, der Barockkunst [2], zu vergleichen.
Hall begann seinen Prozess mit einer Kombination aus abstrahierten Komponenten, denen er stark artikulierte Elemente gegenüberstellte. Hall sagt, dass diese Kombination von Maltechniken eine visuelle Spannung erzeugt und gleichzeitig das Bild „offen“ hält, was eine größere Interpretation durch den Betrachter zulässt. Hall führt weiter aus, dass alle Gemälde in gewisser Weise abstrakt sind, denn in der Malerei geht es darum, malerische Töne und Linien so zu kombinieren, dass ein visuelles Gefühl für etwas entsteht, unabhängig davon, ob es wörtlich zu nehmen ist oder nicht, und deshalb ist die Abstraktion allen Gemälden inhärent.
Das Blumenstillleben wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Nordeuropa zu einem künstlerischen Motiv, es handelte sich um sorgfältig beobachtete Arrangements und Kompositionen, die oft imaginäre, abstrakte Schöpfungen waren; dies ist offensichtlich, weil die Kompositionen oft Blumen enthielten, die zu verschiedenen Jahreszeiten blühten. Da es sich bei den Stillleben um nicht-säkulare Gemälde handelt, liegen ihnen im Allgemeinen Vanitas-Motive zugrunde, die die zeitlichen Elemente des Lebens symbolisieren.
Die einzigartige Figur in dieser Serie basiert auf dem gehäuteten Märtyrer St. Bartholomäus. Die Präsenz dieses Bildes in der Ausstellung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Spaltung zwischen der Dunkelheit des frommen Südens und der Leichtigkeit des weltlichen Nordens. Während sich die Barockzeit zunehmend zu einer offeneren, leichteren, säkularen Gesellschaft entwickelte, gab es auch die Dunkelheit, die sich in der Kunst widerspiegelte. Hall ist der Ansicht, dass die Dualität von Helligkeit und Dunkelheit, die nebeneinander existieren, eine Spannung und einen umfassenderen Dialog erzeugt, und daß diese Elemente in verschiedenen Formen und Interpretationen in seiner Kunstpraxis mitschwingen.
Stewart Hall, März 2022

Stewart Hall
Tellus,  2021 (from the Baroque ‚Feast‘ series)
Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm

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