RECIPE— tradendo, interpretando, commutando!

08.03.2024 – 07.04.2024

Diana Galli, Barbara Karrer, Marlene Franz Bautz, Aki Kiefer, Sári Zagyvai, Beáta Szabó
Künstler*innen sammeln seit jeher Wissen über die von ihnen verwendeten Werkstoffe und ihre spezifischen Eigenschaften. Die enge Beziehung von Erkenntnisgewinn und Werkprozess spiegelt sich nicht nur in Artefakten wider, sondern wird ebenso in Rezeptsammlungen und Notaten deutlich, die Arbeitsschritte und Handlungen schriftlich festhalten. „Texte mit Rezepturen und Beschreibungen kunsttechnologischer Techniken sind seit der Antike in großer Anzahl überliefert.”1 In historischen Textsammlungen – wie beispielsweise dem Manuskript Harley MS 3915 der British Library in London – lässt sich gut erkennen, dass Rezepte und Handlungsanweisungen seit langer Zeit Ziel und Ausgangspunkt für künstlerische Tätigkeiten sind.
Auch die Kochkunst arbeitet seit langem mit Rezepturen; Kochbücher gibt es seit der Antike. In Rezepten sind die einzelnen Herstellungsschritte kohäsiv miteinander verbunden, sodass ein Vorgang durch die Leser*innen nachvollzogen werden kann. Es gibt aber auch Beispiele, in denen Mengenangaben und Garzeiten fehlen, sodass diese Rezepte eher als Kochanregungen zu verstehen sind.3 Im Alltag weichen Köch*innen auch immer wieder bewusst von den Instruktionen eines Rezeptes ab oder Bestandteile werden umgedeutet, um eigene Ergebnisse zu erzielen.
Die Ausstellung „RECIPE— tradendo, interpretando, commutando!” thematisiert die Auslegung, Weitergabe und Erweiterung eines schriftlichen Rezeptes. Hierbei werden die unterschiedlichen Disziplinen Kochen und Kunst zusammengedacht. Grundlage für das Ausstellungskonzept ist ein künstlerischer, interkultureller Austausch zwischen Künstlerinnen aus Budapest und Münchner Künstlerinnen. Hierfür wurde in den Vorbereitungen der ungarische Koch István Akács eingeladen, ein Rezept zu erstellen, das von allen Teilnehmer*innen auf ihre Weise gedeutet wurde, um daraus Positionen zu entwickeln. Die Künstlerinnen nähern sich dem Rezept in diversen Formen an, auf alchemistische Art und Weise – indem Extrakte entwickelt werden – und befassen sich mit der körperlichen Wirkung, dem Geschmack, dem Geruch, der Form und dem übertragenen Klang, sodass in der Ausstellung alle Sinne angesprochen werden.
Im Begleitprogramm wird der Austausch über kulturell-kulinarische Narrative thematisiert und verschiedene Veranstaltungen bieten Anlass, sich über Geschmäcker, Erinnerungen und Assoziationen auszutauschen.

Lothringer13 Halle

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