Jan Davidoff

Open Waters

24.11.2021 – 23.12.2021

Unter dem Titel Open Waters zeigt die Galerie Andreas Binder bereits zum vierten Mal Arbeiten des Künstlers Jan Davidoff.
Auch 2021 finden wir in Davidoffs Werken das für ihn charakteristische Bildthema – die Auseinandersetzung mit der Natur als Essenz alles Vergangenen und  Zukünftigen – wieder. Mal eingefangen im Mikrokosmos des Stilllebens, mal wiedergegeben in der Unendlichkeit der Landschaft: stets verbirgt sich hinter der vermeintlich reduzierten Motivwahl etwas Tieferes.
Und so werden in der Ausstellung die „offenen Gewässer“ zum Spiegelbild der pandemiebedingten Einschränkungen. Das zentrale Bildmotiv des Ammersees dient hier als Symbol für die Sehnsucht nach Ferne und Weite. Wie ein Künstler der Romantik wandelt Davidoff durch seine unmittelbare Umgebung, findet im Bekannten etwas Traumhaftes und Mystisches, sucht dort das Fremde und die Einsamkeit.
Auch das immer wiederkehrende Motiv des Hauses wird in diesem Spannungsverhältnis beleuchtet: als Zeichen für menschliches Leben, als Hauptkulisse des Alltags in den vergangenen eineinhalb Jahren, haftet ihm in Davidoffs Werken etwas Geheimnisvolles, zuweilen Unheimliches an. Die Unsicherheit darüber, was sich hinter der Tür verbirgt oder was hinter dem Fenster geschieht, vermittelt das kollektive Gefühl einer Zeit, in der das Ungewisse fester Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden ist.
Dabei bleibt Davidoff seinem Stil und seiner künstlerischen Vorgehensweise, bei der er Fotografien als Vorlage großformatiger Leinwandarbeiten nutzt, treu. Obgleich die Farbauswahl immer reduzierter wird, so gewinnt das Zusammenspiel von Hintergrund- und Motivwahl zunehmend an Bedeutung. Während die Leinwand selbst durch den Auftrag verschiedenster Material- und Farbschichten – u.a. Marmormehl, pure Farbpigmente, gemahlenes Glas, Glimmer und Kunstharz – Materialität und Vielschichtigkeit suggeriert, entsteht die eigentliche Tiefe der Arbeiten erst durch den Übertrag des figürlichen, nahezu holzschnittartigen Motivs auf die Oberfläche und den so entstehenden Bruch. Durch Brandspuren eines Lasers werden beispielsweise die Motive bei einer seiner neuen Techniken auf Karton übertragen und anschließend mit Kunstharz überzogen.
Die Verschmelzung von Figuration und Abstraktion spiegelt dabei den nur vermeintlichen Gegensatz von Hier und Dort wider und macht einmal mehr deutlich, dass das Leben nur im Jetzt gelebt werden kann. Auch wenn Davidoffs Werken die Sehnsucht nach dem Anderen innewohnt, so steckt in ihnen doch die Kraft des Moments, der unabhängig ist von Zeit und Ort. Die Darstellung von kargen Baumlandschaften oder dem menschenleeren See ist daher keineswegs als Illustration apokalyptischer Szenarien zu verstehen. Vielmehr verkörpern die Werke im Spiel mit Licht und Schatten das Potential jeder Person, jeder Zeit und jeden Ortes  – im immerwährenden Fluss des Lebens – zu scheinen. Text: Leni Senger
Jan Davidoff (* 1976 in Norden) schloss 2009 sein Studium der Malerei bei Prof. Günther Förg an der Akademie der Bildenden Künste in München ab. Studienreisen führten ihn anschließend nach China, Indien, Südostasien und Amerika. Seine Werke wurden in zahlreichen nationalen wie internationalen Ausstellungen präsentiert. Neben verschiedenen Kunstpreisen (2014 Art Award Kreis Offenbach), arbeitete Davidoff zuletzt im Rahmen eines Atelierstipendiums der ESKFF Eileen Kaminsky Foundation in New York. Heute lebt und arbeitet Jan Davidoff in München und in Schondorf am Ammersee.

Jan Davidoff
Waldlauf, 2020
Mischtechnik auf Leinwand
100 x 100 cm

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr. 27
80538 München

Tel. +49 (0) 89 21 939 250
info@andreasbinder.de

andreasbinder.de

Öffnungszeiten

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